Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Biographie
Sein Leben und sein Wirken

k. k. Albert Milde

Familie und Vorfahren
Albert Milde, eigentlich Adalbert Anton Alois, wurde am 7. Februar 1839 in Wsetin (Vsetin) Nr. 62 in Nord-Mähren geboren. Er war der eheliche Sohn des Josef Milde und der Elenora, geborene Tuschla.

Albert Milde hat seine Jugend und die Lehrzeit wahrscheinlich in Gottwaldov (Zlin) in Süd-Mähren verbracht, wo sein Vater Braumeister war. Als 19-jähriger kam er 1858 in die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Als Schlossergeselle arbeitete er vom 26. Juli 1858 bis 12. Juni 1859 beim Moritz Plank, in 1040 Wien, Wieden 321 (Gesellenbuch Nr. 58/12 132, Folge 10 487 - 13 099) und ab 1. Juli 1860 beim Meister Franz Sawischa (Gesellenbuch Nr. 56/13 906, Folge 13 000 - 14 758).

Am 3. November 1864 heiratete er in Groß-Enzersdorf die Schlossermeistertochter Josefa Pohl und hatte mit ihr 6 Kinder (2 Söhne und 4 Töchter). – Der Name Pohl scheint bereits im Jahr 1803 als Schlossermeister in Wien auf. - Am 21. September 1865 wurde sein Stammhalter Albert, am 25. November 1866 wurde die Tochter Josefine und am 27. Juni 1871 die Tochter Maria geboren.

Seine Frau Josefa Pohl
Seine Frau Josefa Pohl

Hof-Kunstschlosser
Wien war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur die Hauptstadt von Österreich-Ungarn, sondern neben London und Paris auch eine Metropole der Eisenkunst und darum Anziehungspunkt für viele Handwerker aus den Provinzen des Vielvölkerstaates. Mit einer kleinen Bau- und Kunstschlosserei, zuerst auf dem Laurenzerberg [Straße in der Wiener Innenstadt], dann in dem längst verschwundenen Haus "Zum Roten Apfel" im unteren Teil der Postgasse 22 in der Wiener Innenstadt [beim "Rothe Thurm Thor", Lorenzer Gaffel / Auwinkel Nr. 651], machte er sich schon in sehr frühen Jahren - 1863 - mit 8 Arbeitern selbstständig. Seine Liebe zum Handwerk und sein Ideenreichtum formten ihn zum Kunstschlosser. 1869 hatte Albert Milde bereits durchschnittlich 130 Arbeiter in seinen Werkstätten und auf den Baustellen beschäftigt. Das kunstvolle Schmieden und Eisengießen wurde für ihn zum beruflichen Lebensinhalt.

Bei der Hebung des Wiener Kunstgewerbes zu Ende der Sechzigerjahre des 19. Jahrhunderts verstand Albert Milde es, mit seinem Können und mit seiner Leistung sich hohe Anerkennung zu schaffen. Der erhöhte Absatz seiner Werke war der Lohn harter Arbeit. Die mit der Wiener Stadterweiterung Hand in Hand gehende großartige öffentliche und private Bautätigkeit beeinflusste Albert Milde, sich zunächst der von Anton Biró wieder erweckten Kunstschlosserei noch intensiver zu widmen. Mit diesem verstorbenen Wiener Meister zählt Albert Milde zu den hervorragendsten Erneuerern der figuralen und ornamentalen Schmiedekunst in Österreich. Die Räume in der Postgasse wurden bald zu klein und er eröffnete in 1030 Wien, Unteren Viaduktgasse 35-37, eine größere Werkstätte.

Noch heute sichtbare Zeugen seines großen Könnens sind das wunderschöne neubarocke Eingangsgittertor des Palais Sturany, 1010 Wien, Schottenring 21, das im Jahr 1880 angefertigt wurde, sowie die drei Gittertore des südlichen Eingangs (Lichtenfelsgasse) des neuen Wiener Rathauses, die Albert Milde der Gemeinde Wien im Jahr 1883 zum Geschenk machte.

Ein Jahr später, 1884, waren die drei Gittertore im Stil der italienischen Hochrenaissance für die Wiener Universität fertiggestellt. Für die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten fertigte Albert Milde im Jahr 1885 das reich gegliederte eindrucksvolle Stiegen- und Ganggeländer an. In den Jahren 1874 bis 1888 wurde das k. k. Hofburgtheater im Stil italienischen Hochrenaissance errichtet. Die zehn schönen seitlichen Gittertore wurden ebenfalls von Albert Milde angefertigt. Auf dem Maria-Theresien-Platz zwischen dem Kunst- und Naturhistorischen Museum sorgen 110 Kandelaber, von den 22 geschmiedet und 88 aus Gusseisen sind, für eine stilvolle Beleuchtung. Sie wurden vor der Enthüllung des Denkmals für die Kaiserin, im Jahr 1888, von Albert Milde fertiggestellt. Von den vielen Arbeiten Mildes noch zu erwähnen ist das Balkongitter am Haus zur "Goldenen Kugel" (Wohnhaus des Herrn Bernhard Hoffmann, 1010 Wien, Am Hof 11). Weitere Balkongitter sowie ein Gittertor am Deutschmeisterplatz sind nur mehr Fotos bekannt. Sind durch die Ereignisse des 2. Weltkrieges verloren gegangen.

Bauschlosser und Eisenkonstrukteur
Zur Zeit der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 zählte sein Unternehmen bereits zu den Ersten des Kunstgewerbes und der Technik. In den späteren Jahren fertigte Albert Milde auch Baukonstruktionen, Dachstühle, Träger, Eisentreppen und Brücken an. Er war damit sehr erfolgreich. Ein Beispiel hierfür war die "Pawlatsche" im Palais Leitenberger, 1010 Wien, Parkring 16, die von ihm überbaut wurde. Auch die Verbindungsbrücke der Markthallen in 1030 Wien wurden in den Jahren 1898 bis 1900 von der Firma Albert Milde & Co. angefertigt. Die Kleine Marxerbrücke über den Wienfluss wurde in den Jahren 1899 bis 1900 ebenfalls von Albert Milde & Co. gebaut.

Tochter Maria Milde
Tochter Maria Milde

Seine Beteiligung an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1878 verbreitet den Ruhm der Wiener Kunstschlosser auch im Ausland. Als Mitglied des Niederösterreichischen Gewerbevereins, dem er mit seltener Treue und Opferwilligkeit angehörte, hat er dann bei der Gewerbeausstellung im Jahre 1880 eifrig mitgewirkt, später bei der Gewerbeausstellung im Jahre 1888. Albert Milde hatte damals eine gemeinsame Schaustellung der Leistungen der Wiener Kunstschmiede und Bauschlosser veranstaltet, die eine geradezu glänzende Repräsentation des Wiener Schlossergewerbes wiedergab. Ein freimütiges Wort von ihm, das er, gelegentlich der Besichtigung dieser Abteilung der Ausstellung durch den Kaiser, an seine Majestät zu richten wagte, dass nämlich der geschäftliche Lohn für die hervorragenden Leistungen der Wiener Schlosser diesen infolge der Verhältnisse damaliger Zeit leider nicht gebührendem Maße zuteilwerde, wurde ihm in manchen Kreisen übel vermerkt.

In den 1880 er Jahren trat in dem ausgedehnten Geschäftsbereich ein Rückgang ein und Albert Milde geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Dies lag trotz seiner großen technischen Befähigung wohl an mangelndem Kaufmännischen Sinn. Schon damals waren, wie die näher Eingeweihten wussten, manche äußeren und persönlichen Errungenschaften von Albert Milde größer, als seine geschäftlichen Erfolge. Zu Beginn des Jahres 1890 musste Albert Milde um ein Moratorium (Aufschub der Erfüllung fälliger Verbindlichkeiten) ansuchen. Es kam zwar zu keinem Konkurs, seine Firma Albert Milde ging jedoch an einen neuen Inhaber Adelbert Kurz, einem Schweizer gebürtig aus Aarau in eine neue Firma Albert Milde & Co. über, in der jedoch Albert Milde selbst nur als Mitarbeiter bis zirka 1899 tätig blieb. 1891 hatte Albert Milde noch versucht, durch die Versteigerung seiner wertvollen Kunstsammlung eine Wende herbeizuführen, aber leider vergebens. Wie diese Zahlungsunfähigkeit zustande kam, konnte nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Tatsache ist, dass Albert Milde in Fachkreisen sehr beliebt war. Er stand den Kollegen mit seiner reichen Erfahrung in technischen als auch in kommerziellen Fragen immer zur Verfügung. In seinen besten Jahren hatte seine Firma über 500 Mitarbeiter.

Auszeichnungen, Orden, Awards und Medaillen
1867 wurde er bei der Pariser Weltausstellung mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. 1869 und 1877 errang er in Amsterdam jeweils eine Goldmedaille, und 1876, bei der Kunst- und Gewerbeausstellung in Frankfurt a. M. erhielt er ein Ehrendiplom. So wurde er schon im Jahr 1877, mit 38 Jahren, zum K. und K. Hofschlosser ernannt.

Für seine unleugbaren Verdienste wurde Albert Milde nach Pariser Weltausstellung 1878 mit dem Ritter des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Auch wurde ihm die höchste bürgerliche Auszeichnung verliehen, "Das Goldene Verdienstkreuz". Von den ausländischen Auszeichnungen ist vor allem zu erwähnen, dass er Ritter des päpstlichen Silvester-Ordens hatte. Weiteres besaß er den spanischen Orden Karl des III. sowie den belgischen Leopolds-Orden.

1869 war Albert Milde Gründungsmitglied des Museums für Kunst und Industrie [heute: Österreichisches Museum für angewandte Kunst (MAK)] und des Reform - Clubs der Schlosser sowie jahrelang Vertrauensmann der Wiener Schlosser - Genossenschaft. 1884 war er bereits Handelskammerrat und 1889 wurde er in den Wiener Gemeinderat berufen, trat aber in diesem niemals stark hervor und legte bald sein Mandat wieder zurück.

Die letzten Jahre
1899 musste es auch als Mitarbeiter seiner Firma Albert Milde & Co. ausscheiden. Dies war für ihn bestimmt das Härteste. Albert Milde war in gewissem Sinne kein "Geschäftsmann", er wusste nicht zu rechnen. Sein gutes Herz, seine offene Hand und teilweise auch seine Eitelkeit waren ihm beim Zusammenbruch seines Unternehmens gewiss auch nicht förderlich.

Parte von k. u. k. Albert Milde
Parte von k. u. k. Albert Milde

In der Geschichte der Wiener Kunstschlosserei und des Wiener Baugewerbes wird seine markante Persönlichkeit immer einen wichtigen Platz einnehmen. Als Mensch war er eine außerordentlich sympathische Erscheinung, die jedem, der ihn kannte, in freundlicher Erinnerung bleiben wird. Dass es ihm nicht vergönnt war, sein Alter im Genuss des Erworbenen zu vollenden, hat ihn nur mit Rücksicht auf seine Angehörigen trübe Stunden bereitet. Ihn hat es am meisten geschmerzt, dass er, einst der Ersten am Werke, nun ausgeschaltet war von Arbeit und Schaffen. Ein Leben reich an Erfolg, Glanz und Glück, aber auch an Enttäuschung und Bitterkeit ist beendet worden.

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Wiener Gewerbes, Besitzer einer der größten Kunstschlossereien und Eisenkonstruktions-Werkstätten, der k. k. Hof- und Kunst-Schlosser Albert Milde starb im Alter von 65 Jahren am 8. November 1904 in ärmlichen Verhältnissen, nachdem er mehrere Jahre durch ein schweres Leiden gelähmt verbringen musste.

Albert Milde wurde am Wiener Zentralfriedhof, 2. Tor, Gruppe 16B, Reihe 4, Grab 17 bestattet. Die Grabstätte wurde durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges durch Bomben völlig zerstört.

Aber eins war er immer: fleißig. Erst als ihm durch Schicksalsschläge, Alter und Krankheit die Möglichkeit zu arbeiten, genommen worden war, wurde der Mann grämlich und traurig. Albert Milde war ein wahrer Meister seiner Gilde.