Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Internationale Weltausstellung in Wien 1873

Schmiedearbeiten in kunstgewerblicher Art

k. k. Albert Milde

Archivbild: Wiener Weltausstelung, 1873, Rotunde

Archivbild 1: Wiener Weltausstelung, 1873, Rotunde (1)

 

Archivbild 2: Wiener Weltausstelung, 1873, Kaiserpavillon (2)

 

Archivbild: Wiener Weltausstelung, 1873, Plan

Archivbild 3: Wiener Weltausstelung, 1873, Plan (3)

 

MAK Archivbild: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion)

© MAK Archivbild 4: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion) (4)
zur Wiener Weltausstellung; Bild vom 1.5.1873
ausgeführt von Albert Milde, k. k. Hofschlosser in Wien.

 

MAK Archivbild: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion)

© MAK Archivbild 5: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion) (5)
zur Wiener Weltausstellung; Bild vom 1.5.1873
ausgeführt von Albert Milde, k. k. Hofschlosser in Wien.

 

MAK Archivbild: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion)

© MAK Archivbild 6: Schmiedeeisernes Gitter vom Kaiserpavillon (Jury-Pavillion) (6)
zur Wiener Weltausstellung; Bild vom 1.5.1873
ausgeführt von Albert Milde, k. k. Hofschlosser in Wien.

Im Schwung der Gründerzeit
Ein Vergnügungsgelände war der Wiener Prater schon lange gewesen, im Sommer 1873 wurde der gründlich aufgeräumte und renovierte Park aber zum Treffpunkt der Welt. Mitten zwischen Varietees und exotische Restaurants baute der Chefarchitekt Carl von Hasenauer das Wahrzeichen der ersten Weltausstellung auf deutschsprachigem Boden: eine riesige Halle für die Industrieprodukte, die Rotunde genannt wurde. Die kühne Stahlkonstruktion wurde zur Betonung der Ingenieursleistung von außen nicht verkleidet. In den weiten Hallen des Palastes bot sich den Nationen viel Platz zur Selbstdarstellung. Die glänzende Bilanz der österreichischen Gründerjahre wurde durch den Wiener Börsenkrach und eine Choleraepidemie in ihrer Wirkung schwer beeinträchtigt.

Dauer: 1. Mai - 31. Oktober 1873
Eröffnung: 1.5.1873, um 12 Uhr in der Rotunde des Industriepalastes
Ort: Prater bei Wien, ehemaliger kaiserlicher Jagdpark
Thema: "Kultur und Erziehung"
Anliegen: "Das Kulturleben der Gegenwart sowie die Gesamtheit der volkswirtschaftlichen Darstellungen und deren Fortschritte zu fördern"
Generaldirektor: Dr. Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn
Fläche: 233 Hektar, davon 16 Hektar überdacht
Teilnehmerländer: 35
Aussteller: 53.000, davon 9.104 aus Österreich (17 Prozent)

”Vollendung eines Unternehmens”: Die Eröffnungszeremonie
Am 11. Mai 1873 eröffnete Kaiser Franz Joseph in Anwesenheit von Mitgliedern des Kaiserhauses, fürstlicher Gäste und zahlreicher Regierungsmitglieder - allerdings ohne Vertreter der Kirche - die Wiener Weltausstellung. Um 11 Uhr begann bereits die "Große Praterauffahrt" mit Regierungsvertretern in Nationalkostümen. Um 12 Uhr wurde die Ankunft Ihrer Majestäten mit Erklingen der Volkshymne gefeiert und Baron Schwarz-Senborn führte die Ehrengäste in die festlich geschmückte Rotunde, wo unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Eröffnungszeremonie gefeiert wurde. Zu Beginn begrüßte Erzherzog Karl Ludwig den Kaiser mit einer Ansprache und überreichte ihm den Generalkatalog und eine Denkschrift der Ausstellung. Bevor Ministerpräsident Adolph Fürst von Auersperg und Bürgermeister Felder zu Wort kamen, die die Ausstellung als "völkerverbindendes Friedensfest" und als "Beitrag zum Wohlstand der gesamten Menschheit" feierten, erklärte Se. Majestät der Kaiser mit folgenden Worten die Ausstellung für eröffnet:

"Mit lebhafter Befriedigung sehe ich die Vollendung eines Unternehmens, dessen Wichtigkeit und Bedeutung Ich im vollsten Masse würdige. Mein Vertrauen in den Patriotismus und die Leistungsfähigkeit Meiner Völker, in die Sympathien und die Unterstützung der uns befreundeten Nationen hat die Entwicklung des grossen Werkes begleitet. Mein kaiserliches Wohlwollen und meine dankbare Anerkennung sind seinem Abschlusse gewidmet. Ich erkläre die Weltausstellung des Jahres 1873 für eröffnet."
Unter der Leitung des Hof-Operntheater-Capellmeisters trugen die Gesangsvereine nun den Festgesang von Georg Friedrich Händel mit einem eigens für die Ausstellung verfassten Text vor:

Glocken klingt und Fahnen weht,
Heut zu festlichem Empfang
Und das Werk, das fertig steht,
Grüße weihender Gesang.

Weite Hallen sind bereit
Rings umher grünt Baum an Baum,
Eine Welt voll Thätigkeit
Regt sich stolz in diesem Raum.

Was der Geist ersinnt und schafft,
Was gebildet Kunst und Fleiß,
Mächtig Bild vereinter Kraft,
Ringend nach dem höchsten Preis.

Auf, ihr Völker, kehret her
Zu der großen Geisterschlacht,
Euer Fortschritt, Eure Wehr
Und die Bildung, Eure Macht!

Arbeit ist der Staaten Grund,
Gleiches Streben macht auch gleich,
Einen Völkerfriedensbund
Feiert heute Österreich!

Nach dem offiziellen Festakt begann gegen 12.30 Uhr der erste Rundgang der Ehrengäste durch die Ausstellung. Zwar waren bis zu diesem Tage längst nicht alle Exponate aufgestellt, doch stieß v.a. die luxuriöse Präsentation des internationalen Kunstgewerbes im Industriepalast auf große Bewunderung. Dazu gehörten auch die exotisch bunten Inszenierungen der Kolonialmächte wie und die pompösen Pappmachébauten der orientalischen Abteilung. Eine Besonderheit war die Präsentation von der Fortschritte im Bildungswesen, wo man Modelle von Kindergärten, Schulen und eine Auswahl moderner Lehrmittel kennenlernen konnte.

Donauverlegung und Ringstraßenglanz: Städtebauliche Maßnahmen
Ganz dem Wunsch des Kaisers entsprechend, der bereits 1866 den Prater als Ort der Weltausstellung 1870 vorgesehen hatte, wurde 1869 das ehemalige kaiserliche Jagdrevier zum Ausstellungsgelände bestimmt. Kritiker sahen große Nachteile in der Entfernung des Parks vom Stadtzentrum und in der Überschwemmungsgefahr durch die Donau. Doch im Zuge der Stadterneuerung Wiens war das Gebiet des Prater mit in die Baumaßnahmen einbezogen worden. Die technischen Voraussetzungen für die Abhaltung der Weltausstellung in Wien waren erst seit wenigen Jahren gegeben. Zwischen 1868 bis 1873 war die Länge der österreichischen Eisenbahnlinien um mehr als das Doppelte angewachsen. Die sechs in Wien aus allen Himmelsrichtungen einmündenden Bahnstrecken schufen die Grundlage für ungehinderten Fremdenzustrom und Warentransport. Die Anzahl der Pferdetrambahnen für den innerstädtischen Personenverkehr wurde ebenfalls beträchtlich vermehrt. Für die Donau wurde ein neues Flussbett gegraben, um die jahrhundertealte Überschwemmungsgefahr der Stadt und des Praters zu bannen.

Die Donauregulierung, die selbst als Exponat der Weltausstellung angemeldet wurde, ermöglichte im nördlichen Teil des Praters die Errichtung des Nordbahnhofs, von dem während des Ausstellungsaufbaus Schienenstränge selbst bis in die einzelnen Ausstellungsbauten führten. Die aus der Donauregulierung ebenfalls resultierende Absenkung des Grundwasserspiegels war eine Voraussetzung für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung Wiens, mit der man, zusammen mit dem Bau von neuen Spitälern, die immer wieder drohende Gefahr von Epidemien wie der Cholera zu bannen suchte. Der Wurstelprater im westlichen Teil des Pratergeländes wurde im Zuge der Weltausstellung renoviert und "kultiviert". Die locker gewachsene Struktur des seit Beginn des 18. Jahrhunderts beliebten Vergnügungsparks fiel bürgerlichem Ordnungssinn zum Opfer. Unter der Leitung des Architekten Lothar Abel wurden ab 1871 Schaustellerbuden abgerissen, Straßen begradigt und verbreitert, Obdachlose vertrieben und regelmäßige Häuserzeilen nach Plan angelegt. Der Wurstelprater - nun Volksprater genannt - hatte damit für viele seinen volkstümlichen Reiz verloren, während die Befürworter mit längst überfälliger "Veredelung in den Volksvergnügungen" argumentierten. Ignorant propagierte man "eine wohlthätige Änderung in der früher ziemlich verirrten Geschmacksrichtung des Wiener Publikums" - ein charakteristisches Beispiel für die rigiden Eingriffe und kompromisslose Umgestaltung eines städtischen Organismus mit sozialpolitischen Konsequenzen.

Tatsächlich kritisierten Gegner die Umgestaltung Wiens und das Projekt Weltausstellung als Fehlplanung, da nur aristokratischer Luxus kurzsichtig gefördert werde und sich vor diesem Hintergrund die sozialen Missstände potenzierten. Statt einer Eindämmung der Wohnungsnot auf die Sprünge zu helfen, investierte man für den Bau städtischer Repräsentationspaläste und Luxushotels. Selbst auf der Donau waren Hotelschiffe vor Anker gegangen, um dem erwarteten Fremdenverkehr zu begegnen. Die vielen für die Weltausstellung von auswärts Beschäftigten ließen in der Stadt die Preise für Wohnungen, Hotels und Lebenshaltung sprunghaft ansteigen. Nach Wien eingewanderte Arbeiter lebten in Massenquartieren; Ansässigen wurden die Wohnungen gekündigt, die zu Pensionen für Weltausstellungsbesucher umgebaut wurden. Wien zog Spekulanten geradezu an. Die Propaganda der liberalen Regierung für einen auch den unteren Bevölkerungsschichten zugute kommenden Wirtschaftsaufschwung wurde in dieser Zeit für viele zunehmend unglaubwürdiger.

Donauverlegung und Ringstraßenglanz: Städtebauliche Maßnahmen
Ganz dem Wunsch des Kaisers entsprechend, der bereits 1866 den Prater als Ort der Weltausstellung 1870 vorgesehen hatte, wurde 1869 das ehemalige kaiserliche Jagdrevier zum Ausstellungsgelände bestimmt. Kritiker sahen große Nachteile in der Entfernung des Parks vom Stadtzentrum und in der Überschwemmungsgefahr durch die Donau. Doch im Zuge der Stadterneuerung Wiens war das Gebiet des Prater mit in die Baumaßnahmen einbezogen worden. Die technischen Voraussetzungen für die Abhaltung der Weltausstellung in Wien waren erst seit wenigen Jahren gegeben. Zwischen 1868 bis 1873 war die Länge der österreichischen Eisenbahnlinien um mehr als das Doppelte angewachsen. Die sechs in Wien aus allen Himmelsrichtungen einmündenden Bahnstrecken schufen die Grundlage für ungehinderten Fremdenzustrom und Warentransport. Die Anzahl der Pferdetrambahnen für den innerstädtischen Personenverkehr wurde ebenfalls beträchtlich vermehrt. Für die Donau wurde ein neues Flussbett gegraben, um die jahrhundertealte Überschwemmungsgefahr der Stadt und des Praters zu bannen.

Die Donauregulierung, die selbst als Exponat der Weltausstellung angemeldet wurde, ermöglichte im nördlichen Teil des Praters die Errichtung des Nordbahnhofs, von dem während des Ausstellungsaufbaus Schienenstränge selbst bis in die einzelnen Ausstellungsbauten führten. Die aus der Donauregulierung ebenfalls resultierende Absenkung des Grundwasserspiegels war eine Voraussetzung für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung Wiens, mit der man, zusammen mit dem Bau von neuen Spitälern, die immer wieder drohende Gefahr von Epidemien wie der Cholera zu bannen suchte. Der Wurstelprater im westlichen Teil des Pratergeländes wurde im Zuge der Weltausstellung renoviert und "kultiviert". Die locker gewachsene Struktur des seit Beginn des 18. Jahrhunderts beliebten Vergnügungsparks fiel bürgerlichem Ordnungssinn zum Opfer. Unter der Leitung des Architekten Lothar Abel wurden ab 1871 Schaustellerbuden abgerissen, Straßen begradigt und verbreitert, Obdachlose vertrieben und regelmäßige Häuserzeilen nach Plan angelegt. Der Wurstelprater - nun Volksprater genannt - hatte damit für viele seinen volkstümlichen Reiz verloren, während die Befürworter mit längst überfälliger "Veredelung in den Volksvergnügungen" argumentierten. Ignorant propagierte man "eine wohlthätige Änderung in der früher ziemlich verirrten Geschmacksrichtung des Wiener Publikums" - ein charakteristisches Beispiel für die rigiden Eingriffe und kompromisslose Umgestaltung eines städtischen Organismus mit sozialpolitischen Konsequenzen.

Tatsächlich kritisierten Gegner die Umgestaltung Wiens und das Projekt Weltausstellung als Fehlplanung, da nur aristokratischer Luxus kurzsichtig gefördert werde und sich vor diesem Hintergrund die sozialen Missstände potenzierten. Statt einer Eindämmung der Wohnungsnot auf die Sprünge zu helfen, investierte man für den Bau städtischer Repräsentationspaläste und Luxushotels. Selbst auf der Donau waren Hotelschiffe vor Anker gegangen, um dem erwarteten Fremdenverkehr zu begegnen. Die vielen für die Weltausstellung von auswärts Beschäftigten ließen in der Stadt die Preise für Wohnungen, Hotels und Lebenshaltung sprunghaft ansteigen. Nach Wien eingewanderte Arbeiter lebten in Massenquartieren; Ansässigen wurden die Wohnungen gekündigt, die zu Pensionen für Weltausstellungsbesucher umgebaut wurden. Wien zog Spekulanten geradezu an. Die Propaganda der liberalen Regierung für einen auch den unteren Bevölkerungsschichten zugute kommenden Wirtschaftsaufschwung wurde in dieser Zeit für viele zunehmend unglaubwürdiger.

Die Rotunde
Für die Konzeption der Rotunde griff Ingenieur Scott Russel auf seinen anlässlich der Londoner Weltausstellung 1851 entstandenen Entwurf einer 45 Meter hohen Kuppel zurück. Obwohl man Russel Fehler in Berechnungen der Statik und des Materialaufwandes vorwarf, stimmte auch Hasenauer dem Projekt zu und übertrug die aufwendige Realisierung dem Architekten Friedrich Schmidt, der unter anderem mit der Duisburger Stahlfirma Johann Caspar Harkort zusammenarbeitete. Tatsächlich traten beim Bau der Dachkonstruktion enorme Schwierigkeiten auf, die die Fertigstellung des Gebäudes bis zum März 1873 hinauszögerten. Auf 32 jeweils 24 Meter hohen, kreisförmig angeordneten Stützen ruhte ein enormer Zugring von 104 Metern Durchmesser, der am Boden zusammengenietet und erst dann angehoben wurde. Dieser Ring trug 41 Meter lange Radialsparren, die sich bis zum Druckring nach oben verjüngten. Zur sichtbaren Betonung der Konstruktion wurde die Dachhaut unterhalb der Balken angebracht. Oberhalb der Schräge waren zwei Laternen aufgebaut, wobei die untere immer noch einen Durchmesser von 31 Meter hatte. Ein äußerer Umgang bot den Besuchern der Ausstellung hier auf über 70 Meter Höhe einen Panoramablick über die gesamte Ausstellung, auf Wien und das Umland. Über dem Dach erhob sich die zweite Laterne mit Rundkuppel. Höchster Punkt des bis 85,30 Meter aufragenden Gebäudes - und damit der gesamten Ausstellung - war schließlich eine vergoldete und mit Steinen besetzte vier Meter hohe Nachbildung der Kaiserkrone.

Ein riesiger Bau als Wahrzeichen der Ausstellung, in seinen Ausmaßen den Petersdom übertreffend - ein "Meisterwerk der Technik", Symbol für die "enormen Fortschritte des Ingenieurswesens", geschmückt mit der Krone - stand im Zentrum des gigantomanischen Selbstdarstellungstriebs des gerade zu wirtschaftlichem Selbstbewusstsein gelangten Kaiserreiches. Im Inneren der Rotunde sollten sich dekorative Elemente "dem Eisengerippe anpassen", sollte die Schönheit der Konstruktion mittels Schmuck lediglich betont werden. Gemauerte Rundbögen verbanden die Stützpfeiler, während die Blechhaut und die Eisenpfeiler mit Jute überzogen und mit Figuren geschmückt wurden. Durch große Seitenfenster und die Laterne fiel großzügig Tageslicht ein. Vier große Bäume des vormaligen Parkgeländes schmückten das Zentrum der Halle mit dem prunkvollen Zentralbrunnen von Durenne. Ein hydraulischer Aufzug brachte die Besucher zur inneren Galerie in 23 Meter Höhe, von der man nicht nur Übersicht über den Ort der schönsten Exponate und der großen Feste erhielt; ein Durchgang führte nach draußen auf das Zeltdach, wo Steigleitern die Gäste bis zur Krone geleiteten.

Thronrede des Kaisers Franz Joseph I. am 5.11.1873, anlässlich der feierlichen Eröffnung des Reichsrates:
”Trotz der Schwierigkeiten, mit welchen die Weltausstellung zu kämpfen hatte, ist diese große Unternehmung zu glänzender Reife und Entfaltung gediehen und zu allseitiger Geltung und Anerkennung gelangt. Ihr wohlthätiger Einfluß auf das geistige und wirthschaftliche Leben der Völker, auf die Förderung der Cultur, auf die Belebung des Erfindungsgeistes und des Gewerbefleißes, sowie auf die Wertschätzung der redliche Arbeit wird in allen Theilen der Welt dankbar empfunden werden. Mit freudiger Genugthuung vermag ich es auszusprechen, daß wir in diesem friedlichen Wettkampf mit Ehren gerungen und Erfolge erstritten haben, welche das politische Herz mit Stolz und Hoffnung erfüllen. Die Besuche, welche Mir die Herrscher benachbarter und ferner Reiche während der Weltausstellung erstatteten, haben die Bande der Freundschaft mit diesen Reichen enger geknüpft, die Bürgschaften des Friedens vermehrt und der Stellung der Monarchie im Kreise der Staaten erhöhtes Ansehen verliehen."
Quelle: Richter 1877, S. 29 f.
 

Julius Rodenberg:
”Da kam der Sturz, und da war es genau um dieselbe Zeit, als die auf die niedrigsten Leidenschaften gegründeten Truggebäude schandvoll zusammenkrachten, daß der Dom der Wiener Weltausstellung sich glorreich erhob; daß unter seiner Wölbung, von einem ahnungsvollen Licht umschlossen, die Wahrzeichen einer hohen Kultur sich versammelten und durch die weiten Hallen hin, von den tausend Stimmen ihrer Maschinen und Werkzeuge wie von einer majestätischen Symphonie begleitet, die vielfältigen Erzeugnisse der Menschenhand und die aufgehäuften Produkte des Landbaues von dem Glück und der Zufriedenheit, von der Schönheit und dem Genuß kündeten, die noch überall in der Welt, in allen Zonen und unter allen Himmelsstrichen eine Heimat haben. Da war es, daß wir - eben herausgetreten aus den kalten und öden Regionen des Nihilismus - uns plötzlich plötzlich in eine Sphäre versetzt fühlten, wo das Leben seinen Reiz wiedergewonnen, wo alles Wärme atmete und alles von Farben glänzte; und da war es endlich, wo wir die frohe Gewißheit empfingen, daß es in dieser so sehr veränderten Welt, doch immer noch einen Idealismus gibt, der allen Bedürfnissen des modernen Menschen Befriedigung verheißt, nämlich: den Idealismus der Arbeit."
Quelle: Wiener Sommertage. Leipzig 1875. zit. nach Roschitz 1989, S. 171 f.
 

Louis Reybaud:
”Unter diesen Bedingungen war der Vergleich zwischen den Nationen unmittelbar möglich; dies galt allerdings nicht für den Vergleich zwischen den Produkten, für die keine Ordnung und keine Klassifizierung vorgesehen war, was das Studium und die Annäherung erschwerte. Aber im Ganzen war es ein schönes Spektakel, und der Spaziergang zwischen den Reichtümern, so lang er auch war, behielt bis zum Ende seine Anziehungskraft durch die Vielfalt. Für jeden Rundgang war die Rotunde Ausgangs- und Zielpunkt, man bereitete sich hier auf die Eindrücke vor oder vervollständigte sie hier. Belebt durch ein Wasserbecken, geschmückt durch eine Auswahl der Exponate, war sie ebenfalls die beste Architektur des Geländes: die Kuppel und die Ringgalerie bemächtigten sich des Blicks und in der Mitte herrschte ein mit seltenen Blumen geschmücktes Rondell, das man über wenige Stufen einer Treppe betreten konnte. Die Rotunde bot auch eine andere Art der Sensation an: sie gab Zugang zur Kuppel für die Neugierigen, die an einem solchen Aufstieg Geschmack fanden. Die Strecke war die Mühe wahrlich wert und zudem völlig gefahrlos.”
Quelle: Une visite a l´Exposition de Vienne. In: Revue de deux mondes. II. Bd. 108, 1873, 43.Jg., S. 683.
 

Eine Völkerstadt: Das Gelände der Ausstellung und ihr Thema
Obwohl Baumaßnahmen wie die Donauregulierung oder die Sanierung des Wurstelpraters sehr umstritten waren, war das Ausstellungskomitee der festen Überzeugung, im Parkareal des Praters mit altem Baumbestand und künstlich angelegten Gewässern die ideale Kulisse für das Prestigeobjekt Weltausstellung gefunden zu haben. Als der "prachtvollste natürlichste Park" bilde er "einen herrlichen Rahmen für das mächtige Culturbild" und habe dazu beigetragen, "die Wirkung der künstlerischen Arbeiten bei der Herstellung der Gebäude wesentlich zu erhöhen". Begrenzungen wie der Bahnhof im Norden, die 1867 eröffnete, mondäne Hauptallee des Praters im Süden, der Volksprater im Westen und das Heustadelwasser mit den angrenzenden Praterauen im Osten ergaben schließlich eine Fläche, die das Marsfeld der Weltausstellung in Paris von 1867 um das Fünffache übertraf. Die ursprüngliche Idee, eine "Völkerstadt" aus vielen verschiedenen Länderpavillons zu errichten, verwarf Schwarz-Senborn zugunsten zentraler Ausstellungsgebäude für Industrieprodukte, Maschinen und Kunst.

Architektonischer Mittelpunkt der Ausstellung war der Industriepalast mit der Rotunde. Das Gelände gliederte sich in fünf von Süden nach Norden aneinandergereihte Zonen: Südlich lag der Park, der zum Industriepalast und den der Kunst gewidmeten Gebäuden führte. Hier fand der Besucher eine breite Palette von internationalen Gasthäusern, zum Beispiel dem chinesischen Teehaus, Beispiele diverser Wohnhäuser, Lesehallen und den Jury- und Kaiserpavillon. Die daran angrenzende dritte Zone war Ort der landwirtschaftlichen Produktschauen und Spezialausstellungen. Es folgte die Maschinenhalle und der dahinter anschließende Bereich bis zum Nordbahnhof, wo unter anderem Platz war für die Präsentation von Arbeiterhäusern verschiedener Nationen und für den Pavillon des Welthandels. Besucher konnten die Ausstellung über den Ausstellungsbahnhof im Norden, das Hauptportal im Süden, den Eingang am Rondell und vom Volksprater aus über das Westportal der Maschinenhalle und über das Westportal des Industriepalastes betreten.

Zwar waren die zentralen Themen noch in den Hauptausstellungshallen untergebracht, doch deutete sich in Wien bereits eine tendenziell nationenorganisierte Ausstellungskonzeption an, die sich zunehmend weg von der reinen Produkteausstellung hin zu Selbstdarstellung der Länder in individuellen Pavillons entwickeln sollte. Dafür sprechen die großzügigen Flächen zwischen den Ausstellungshallen für Länderpavillons und Spezialausstellungen. Indiz ist auch die architektonische Gliederung des Ausstellungspalastes, in dem die Länder ihrer geographischen Anordnung gemäß von West nach Ost untergebracht waren und wo die Länder in eigenen Querhallen mit jeweils eigenem Zugang repräsentieren konnten. Allerdings ermöglichte dies keine durchwegs objektive Selbstdarstellung der Länder. Zum einen inszenierten Kolonialmächte ihren vereinnahmenden Blick auf außereuropäische Gebiete, zum anderen wurde die gesamte Ausstellung vom österreichischen Beitrag dominiert. Während die westlichen Industriestaaten vor allem technische - wie die getreue Kopie der Einfahrt des neuen Mont-Cenis-Tunnels - oder wirtschaftliche Errungenschaften zur Schau stellten, versuchten außereuropäische Gäste ihr Land und ihre Kultur folkloristisch vorzustellen. Nachbauten des Tempels von Kyoto im Industriepalast oder ein ägyptisches Zelt mit authentischer Einrichtung und zugehörigen Kostümpuppen sollten andere Lebensweisen bildhaft näher bringen. Ferner wurde die Ausstellung – zum Beispiel von Japan durch die Präsentation von Exportartikeln - genutzt, um wirtschaftliche Kontakte mit Industrienationen zu knüpfen.

Rotunde und Maschinenhalle
Das Ziel der Ausstellungsorganisatoren, ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Kultur unter dem Vorzeichen der friedvollen Verständigung der Völker auf österreichischem Boden zu liefern, setzte Carl von Hasenauer, Chefarchitekt der Ausstellung, bildhaft in ein architektonisches Konzept um. Ein riesiger Ausstellungspalast mit Festsaal im Zentrum, eine Maschinenhalle, zwei Landwirtschaftshallen und die Kunsthalle symbolisierten die zentralen Themen der Ausstellung. Von den Gastländern wurden unzählige kleinere Pavillons errichtet. Dazu gehörten ein arabisches Café und ein Indianerwigwam, Arbeiterhäuser und ein japanisches Dorf, eine Moschee und eine Kopie des altägyptischen Felsengrabs von Beni-Hassan, Brauerei-Pavillons und ein gusseisernes Palmenhaus.

Die Rotunde war von dem quadratischen Hallenbau des Industriepalastes umgeben, an den sich auf der West- und Ostseite die 25 Meter hohen Langhallen anschlossen, von denen an beiden Seiten wiederum je acht Querhallen abgingen. Der Grundriss, damals als "Fischgrätensystem" bezeichnet, ging auf einen fünf Jahre alten Entwurf der Architekten Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg zurück. Seine Übersichtlichkeit und die Möglichkeit, einzelne Länder in den Querhallen unterzubringen, sprach für diesen Plan. Außerdem konnte man bei Bedarf durch Überdachen der Höfe zwischen den Quergalerien zusätzliche Ausstellungsfläche gewinnen. Die Konstruktion des 70.000 Quadratmeter bedeckenden Ausstellungspalastes, der insgesamt 907 Meter lang und 206 Meter breit war, bestand aus schmiedeeisernen Stützen, die flachgebogene Gitterbögen trugen. Die Dächer waren mit Zinkblech verkleidet. Vier Portale im neobarocken Stil - eine Neuheit in der historistischen Formensprache - öffneten sich zu den vier Himmelsrichtungen. Eine Zeichnung des Hauptportals an der Südseite zeigt dessen Dimension, deren Monumentalität an die Triumphbögen des 19. Jahrhunderts denken lässt.

Parallel zum Industriepalast lag die 800 Meter lange und 50 Meter breite Maschinenhalle, die auf 40.000 Quadratmetern Ausstellungsmöglichkeiten bot. Hier sollten die "genialen Erfindungen der fortschreitenden Technik bei der ernsten Arbeit", das heißt Funktion und Arbeitsweise von Maschinen demonstriert werden. Wie die Kunsthalle und die Landwirtschaftshallen war es ein Mauerbau mit Fachwänden und blechgedeckter Dachbinderkonstruktion. Das Mittelschiff überragte die Seitenschiffe um acht Meter, wodurch Raum für große Fenster zwischen den Pfeilern war. Im Inneren waren Haupt- und Nebenschiffe lediglich durch zwei Pfeilerreihen getrennt, so dass - anders als im Industriepalast - der Gesamteindruck des Raumes erfahrbar war. Längs durch die Halle verliefen zur Erleichterung der Schwermaschinentransporte zwei Schienenstränge, die von sechs Quergleisen auf Drehscheiben gekreuzt wurden. Auf dekorativen Schmuck und monumentale Portale wurde der Funktion des Gebäudes entsprechend verzichtet.

Die vierschiffige Kunsthalle stand parallel zu den Quergalerien des Ausstellungspalastes und war durch hölzerne Arkadengänge mit den beiden Kunstpavillons verbunden. Besonders für die Oberlichtkonstruktion, die gekurvten Wände mit vielen Seitenfenstern und für die Anordnung der Gebäude um einen Garten in französischem Stil, erhielt Hasenauer in der zeitgenössischen Presse viel Lob. Die Ausstellung für zeitgenössische Kunst, eine Anordnung von Historienbildern nach Nationen, war dagegen langweilig. Als "Juwel" der Ausstellungsarchitektur galt der Kaiserpavillon; von Architekturkritikern wurde er als "von hellenistischer Grazie angehauchtes Werk Hasenauers", als "anmuthiger Mikrokosmos der ganzen großen Anlage des Ausstellungsbaues" gepriesen. Gegliedert in einen vorspringenden Mittelbau und zwei Seitenflügel mit Pavillons an den Ecken, erschien das Gebäude wie die verkleinerte Version des Industriepalastes, doch reicher geschmückt und von edelster Ausstattung im Inneren, wo sich die Privaträume des Kaiserpaares befanden.

Börsenkrach und Cholera
Die prunkvollen Eröffnungsfeierlichkeiten und das anfängliche Interesse der geladenen Gäste an der Wiener Weltausstellung konnten nicht lange über die Schwierigkeiten hinwegtäuschen, die sich bereits 1872 angedeutet hatten. Seit dem Bau der Ringstraße und dem Plan, eine Weltausstellung durchzuführen, befand sich Wien in gründerzeitlicher Hochkonjunktur, was viele Börsenspekulanten und Gewerbetreibende nach Wien lockte. Doch Fehleinschätzungen der Situation, betrügerische Spekulationen und Korruption führten schließlich neun Tage nach der Eröffnung zum Zusammenbruch der Börse. Der "schwarze Freitag" oder "Wiener Börsenkrach" stürzte auf der Stelle viele Unternehmer in den finanziellen Ruin. Kritiker der Weltausstellung sahen sich bestätigt und machten die kaiserliche Entscheidung ein Projekt dieser Art durchzuführen, und ebenfalls Schwarz-Senborn für den wirtschaftlichen Zusammenbruch verantwortlich.

Im Juni kam es zu einer zweiten Katastrophe, die nun auch ausländische Besucher von einer Reise nach Wien abhalten sollte. Im Weltausstellungshotel "Donau" erkrankten 13 Gäste an Cholera. Zwar waren hygienische und medizinische Vorbereitungen getroffen, doch breitete sich die Epidemie schnell aus. Trotz der verhältnismäßig geringen Zahl der Todesopfer erhielt der Enthusiasmus für die Weltausstellung einen spürbaren Dämpfer. Erst Ende Oktober, als man die Gefahr der Krankheit gebannt sah, setzte der große Besucherstrom aus ganz Europa ein, den die Organisatoren für die gesamte Ausstellungsdauer erhofft hatten.

Die Schauseite der Weltausstellung waren jedoch rauschende Ballnächte und andere spektakuläre Ereignisse wie der Besuch der deutschen Kaiserin Augusta, des russischen Zaren oder von Nasr-ed-Din, dem Schah von Persien. Die Weltausstellung wurde u.a. auch als Friedensfest seitens der Politiker genutzt. Kunstvoll inszenierte Empfänge von Ehrengästen sollten Zeichen für Völkerverständigung und Frieden sein. Tatsächlich betonte der Kaiser am 5. November, bei Eröffnung des Reichsrates besonders diesen Aspekt der Weltausstellung. Nach dem Krieg zwischen Deutschland und Frankreich, der Gründung des Deutschen Reiches und den Kriegen Österreichs an den Nord- und Südgrenzen war dies von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig jedoch wurden opulente Ausstattung und überwältigende Inszenierungen als politische Allegorie eingesetzt, um die wirtschaftliche Macht und den Aufstieg Österreichs zu demonstrieren. Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein der Weltausstellung, zwischen der Selbstdarstellung Privilegierter und der gesellschaftlichen Realität - Verschuldung und sozialem Elend ärmerer Schichten - wurde offensichtlich.

Gründerzeit und Fortschrittsglaube
Seit frühen 1860er Jahren expandierte die österreichische Wirtschaft geradezu explosionsartig, und im Wirtschaftsaufschwung dieser Gründerjahre wurde die Forderung nach einer Weltausstellung in Wien immer lauter erhoben. Bei der in jenen Jahren eingeleiteten Modernisierung Wiens konzentrierte man sich auf die anstelle der Stadtbefestigungen angelegten Ringstraße, die die Vororte an das Zentrum anbinden sollte und als Ort für öffentliche Monumentalbauten und aristokratische Stadtpalais‘ gedacht war. Da hier, ähnlich wie bei der radikalen Stadterneuerung in Paris durch den Baron Haussmann, Planungen im großen Stil verwirklicht wurden, schien auch die Organisation eines so ambitionierten Projekts wie einer Weltausstellung durchführbar. Die Niederlage Österreichs gegen Preußen 1866 und der Ausgleich mit Ungarn 1867 verhinderten zunächst die Durchführung des Projektes.

Wenige Jahre später jedoch, begünstigt durch den Erfolg des österreichischen Beitrags auf der Pariser Weltausstellung 1867, wurde die Idee erneut aufgegriffen und als erste Weltausstellung auf deutschsprachigem Gebiet für 1873 zum 25jährigen Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs vorbereitet. Das 1871 verfasste Programm der Ausstellung lautete: "Unter dem Allerhöchsten Schutze Sr. k. und k. Apostolischen Majestät wird im Jahre 1873 in Wien eine internationale Ausstellung stattfinden, welche das Culturleben der Gegenwart und das Gesammtgebiet der Volkswirthschaft darstellen und deren weiteren Fortschritt fördern soll."

Das Projekt wurde nicht nur von führenden liberalen Politikern, sondern auch von der österreichischen Wirtschaft und Landwirtschaft forciert, da man die Möglichkeit sah, den gründerzeitlichen Aufschwung der Welt vorzuführen. Gerade nach dem Scheitern der großdeutschen Ambitionen war das Prestige aufzupolieren und ein weltoffener, international konkurrenzfähiger Staat darzustellen. Das neue Wien als Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Booms demonstrierte diese Euphorie in gigantischen Bauvorhaben. So wurde die Großbaustelle Wien zu einem der wichtigsten "Exponate" der Weltausstellung. Am 24.5.1870 unterschrieb der Kaiser den Erlass für die Abhaltung der Ausstellung, die unter dem Protektorat seines Bruders, Erzherzog Karl Ludwig, stand. Zum Präsidenten wurde Erzherzog Rainer, ein Neffe Franz Josephs, ernannt. Bereits im Sommer 1870 lud man die ausländischen Regierungen zur Teilnahme ein und erhielt positive Zusagen der westeuropäischen Industrieländer und der USA, aber erstmals auch von zahlreichen Ländern des Orients und des fernen Ostens. Insgesamt 35 souveräne Staaten sollten schließlich in Wien ausstellen.

Seit Januar 1871 bekleidete Dr. Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn das Amt des Generaldirektors, ihm wurden uneingeschränkte Vollmachten eingeräumt. Die Organisation übernahm eine kaiserliche Kommission mit 215 Mitgliedern. Zudem wurden 28 Arbeitsausschüsse mit insgesamt 1.278 Angehörigen mit der Durchführung des Großprojektes beauftragt. Die Baumaßnahmen für die Ausstellung wurden sehr spät in Angriff genommen und obwohl man den Eröffnungstermin verschieben musste, ist die Schnelligkeit und Finanzierung der Realisierung dieses architektonischen Mammutprojektes heute kaum mehr nachvollziehbar. Im Sommer 1871 bewilligte der Reichsrat einen Kredit über sechs Millionen Gulden. Doch die Kosten sollten die zunächst nur sehr vagen Schätzungen um mehr als das Dreifache übertreffen. 1872 wurden weitere sieben Millionen Gulden und kurz vor der Eröffnung noch einmal 9,7 Millionen Gulden gewährt.

Der Erfinder der Rotunde und der Generaldirektor
Der 1808 in Schottland geborene Ingenieur John Scott Russel war bereits vor der Wiener Weltausstellung berühmt als Fachmann für scheinbar unlösbare Aufgaben. Aufsehen erregten vor allem die Konstruktion des damals größten Dampfschiffs der Welt, "Great Eastern", und die Transferierung des 'Crystal Palace' der Londoner Weltausstellung von 1851 nach Sydenham.

Nach seinem Studium der Mathematik und Mechanik wurde Russel bereits mit 26 Jahren Professor für Experimentelle Physik an der Hochschule in Edinburgh. Neben seiner theoretischen Forschung bemühte er sich kontinuierlich um die praktische Umsetzung der Ideen, was sich im Bau zahlreicher Modelle für Dampfschiffe und Straßenlokomotiven niederschlug. Schließlich übernahm Russel die Leitung der Caird-Werft in Glasgow, wo seine Erfindungen bahnbrechend für den modernen Schiffsbau wirkten. Der Generalkommissar der Wiener Weltausstellung Freiherr Schwarz-Senborn sah in Russel den idealen Ingenieur für die Entwicklung einer außergewöhnlichen Attraktion für das Großereignis. Schließlich übertraf der Plan alle seine bisherigen Leistungen. Mit dem Entwurf der Rotunde projektierte Russel den größten Kuppelbau der Welt.

Der Generaldirektor der Weltausstellung: Dr. Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn
1816 in Wien geboren, studierte Schwarz-Senborn zunächst technische Chemie und setzte sich praktisch für die Verbreitung gewerblicher Technik ein. Als Sekretär des niederösterreichischen Gewerbevereins hatte er entscheidenden Anteil an wirtschaftlichen Reformen und wurde schließlich Sekretär im Handelsministerium. Ab 1860 war er ständiger Vertreter Österreichs bei internationalen Ausstellungen. Sein persönlicher Einsatz für die heimische Wirtschaft und die als Ausstellungskommissar gewonnenen Erfahrungen qualifizierten Schwarz-Senborn zum Berater des Kaisers in wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen in den Jahren zwischen 1860 und 1866. Nach der Londoner Weltausstellung 1862 wurde Schwarz-Senborn Direktor der Commerz-Kanzlei der österreichischen Botschaft in Paris. Am 9. Januar 1871 wurde Schwarz-Senborn auf Wunsch der Regierung und des Kaisers offiziell zum Generaldirektor der Weltausstellung berufen. Unter der Bedingung, völlig freie Hand bei den Entscheidungen bezüglich des Ausstellungskonzeptes zu haben, willigte er ein und folgte im Mai 1871 dem Ruf nach Wien. Am 1. August 1871 eröffnete Schwarz-Senborn an der Ringstraße sein Wiener Büro. Doch schon während der Vorbereitung der Ausstellung erntete Schwarz-Senborn heftige Kritik für seinen als eigenwillig und chaotisch beschriebenen Führungsstil. Die Regierung warf ihm ferner die Bevorzugung ausländischer, insbesondere französischer Aussteller gegenüber österreichischen Unternehmern vor. Zunächst als Ausstellungsfachmann hochgelobt, machte man Schwarz-Senborn nachträglich für die Kostenüberschreitung und den finanziellen Misserfolg der Ausstellung verantwortlich. Nach der Weltausstellung schickte man ihn 1874 für ein paar Jahre als Botschafter nach Washington. Auch nach seiner Rückkehr nach Wien konnte er seinen ursprünglichen Wunsch, Bürgermeister zu werden und die Stadterweiterung zu vollenden, nicht mehr verwirklichen. Die großartige Karriere fand mit dem Desaster der Weltausstellung in Wien ihr vorzeitiges Ende.

Eine zwiespältige Bilanz: Ende und Nachwirkungen der Ausstellung
Am 2.11.1873 erlebte Wien den größten Zustrom von über 140.000 Besuchern, bevor die Ausstellung an diesem Tage ihre Pforten schloss. Heinrich Ritter Fellner von Feldegg wurde mit der Organisation des Abbaus und den noch ausstehenden Verhandlungen mit den Ausstellern beauftragt. Während alle kleineren Pavillons demontiert wurden, sorgte man dafür, dass die Rotunde, die Maschinenhalle und die beiden Pavillons des Amateurs erhalten blieben. Die letzteren wurden der Kunstakademie angeschlossen, die Maschinenhalle wurde von der Kommunalverwaltung als Lagerhalle genutzt, und die Rotunde - bald Wahrzeichen Wiens und seiner liberalen Gründer- und Ringstraßenzeit - diente bis 1937, als sie durch ein Feuer zerstört wurde, als bedeutender kultureller Veranstaltungsort. Der regulierte Volksprater wurde ohne Veränderungen an die Parkverwaltung zurückgegeben. Die schwedischen Häuser und das japanische Dorf fanden Käufer in London und die prunkvolle Ausstattung des Kaiserpavillons, dessen Abriss äußerst umstritten war, wurde dem Museum für Kunst und Industrie in Wien anvertraut.

Trotz des kulturellen Erfolges der Ausstellung, die im Sinne des Liberalismus den Fortschritt der Gründerzeit in der neuen Metropole demonstrierte, unterlag das Ausstellungsprojekt schärfster Kritik. Die Ausstellung wurde als Grund für die Wirtschaftskrise angeführt, die in den Börsenkrach geführt habe. Die liberale Regierung verlor dadurch an politischem Ansehen, was auf lange Sicht das Aufkommen des Mehrparteiensystems und die Zersplitterung der Bevölkerung in nationale Gruppen förderte. Schwarz-Senborn wurde finanzieller Fehlplanungen bezichtigt und für das Defizit der Ausstellung von 19 Millionen Gulden verantwortlich gemacht. Die wegen der Choleraepidemie sehr geringe Besucherzahl (man hatte 20 Millionen erwartet, sieben Millionen kamen) hatte die Bilanz noch verschlechtert. Die sozialen Probleme, die durch die plötzliche Arbeitslosigkeit nach der Ausstellung, durch immens angestiegene Mieten und Lebensmittelteuerung entstanden waren, verschärften die Kritik an dem Regime, das lediglich für Luxus und Repräsentation übersteigerten finanziellen Aufwand getrieben habe. Außerdem wurde der Beitrag der Ausstellung zu industriellem und wissenschaftlichem Fortschritt trotz der vielen gleichzeitig abgehaltenen Kongresse bezweifelt.

Vergessen schien die städtebauliche Triebkraft für Wien und der Prestigegewinn Österreichs im Ausland - nicht zuletzt durch das persönliche Interesse und den Einsatz des Kaisers. Wien und das Reich konnten sich auf der bisher größten Ausstellungsfläche mit monumentalster Architektur präsentieren. Hier wurden in der vielfältigen Inszenierung eines "völkerverbindenden Festivals" entscheidende Grundlagen für Friedenspolitik, Kulturaustausch und Außenhandelsbeziehungen - z.B. mit Japan - geschaffen. (7)

 

Schmiedearbeiten waren sowohl in kunstgewerblicher Art, wie als gewöhnliche Schlosser- und Schmiedearbeiten sehr reichlich vertreten. Die bedeutendsten Arbeiten der ersten Richtung waren die schmiedeeisernen Tore in der englischen Abteilung von Barnard, Bishop & Barnard’s in Norwich, und der unvergleichliche Bau von Schmiedeeisenornamenten in der französischen von Baudrit in Paris, welcher leider einen ziemlich abgelegenen Platz gefunden hatte. Italien hatte in Pasquale Franci in Siena einen Aussteller mit schönem Gitter und Laternenträgern nach alten Mustern. Von Deutschland nennen wir A. Fauser in Weimar. Österreich hatte verschiedene Ausgezeichnete Arbeiten an den Gebäuden des Ausstellungsplatzes aufzuweisen, wie die Gitter zwischen den Treppenpfeiler der Rotunde, die Gitter am Kaiser- und Jurypavillon und die riesige Krone auf der Spitze der Rotunde. Wir nennen die Wiener Joh. Gschmeidler, Albert Milde und Carl Tagleicht, ferner die bereits erwähnten Arbeiten in getriebene, Eisen von A. Batsche in Wien. (8)

siehe auch: Fortschrittsmedaille der Wiener Weltausstellung 1873;