Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Wasserturm auf dem Wienerberg, 1100 Wien, Windtenstraße 3

Eisenkonstruktionen, 1898-1899

k. k. Albert Milde

Archivbild: Wassertum auf dem Wienerberg

Archivbild: Wassertum auf dem Wienerberg (1)

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Das schwierigste Problem bildete die Wasserversorgung der hochgelegenen Teile des 10. Bezirkes, weshalb im letzten Zeitraum des Ausbaues der I. Hochquellenleitung das Pumpwerk auf der Höhe des Wienerberges entstand. Der dort errichtete „Wasserturm“ dient zur Unterbringung eine Pumpanlage, welche die Aufgabe hat, das aus dem Wienerberg-Reservoir zuströmende Wasser in einen Behälter hochzuheben, von wo es den höchstgelegenen Teilen des 10. wie auch des 12. Bezirks mit Druck zugeführt werden kann. Mit dem Bau des Wasserturmes bzw. dem Schöpfwerk Favoriten wurde am 23. März 1898 begonnen. Nach dem Ablauf eines Zeitraumes von 18 Monaten konnte die am 3. August 1899 nach den Plänen des städtischen Bauinspektors Franz Barkowetz errichtete Schöpfwerk-Anlage in Betrieb gesetzt werden. Das Wasserwerkprojekt wurde vom Bauamt und unter Leitung des Bauamts ausgeführt, wobei die einzelnen Objekte in Rohbau dem Baumeister A. Schumacher, die Lieferung und Aufstellung der maschinellen Einrichtung sowie die Dachkonstruktion der Firma F. X. Komasch übertragen wurden. Die Schöpfwerk-Anlage umfasste ursprünglich bei der Errichtung das Schieberhaus, das Maschinen- und Kesselhaus nebst dem Kohlendepot in einem gemeinsamen Gebäude, die Kühlanlage, den Schornstein, den Wasserturm, das Waaghaus und das Wohngebäude für das Betriebspersonal.

Eines der interessantesten architektonischen Objekte innerhalb der Anlage ist der Wasserturm selbst. Im Inneren des Turmes befinden sich zwei eiserne Wasserbehälter, das Haupt, und das Nebenreservoir. Die Stahlblechbehälter im Inneren des Turmes können rund 1.000 Kubikmeter Wasser speichern und ruhen auf einem Mauerzylinder in 25 Metern Höhe. Die äußere und innere Mauer haben ringförmigen Querschnitt. Die Mauern ruhen auf einer 1,65 m starken Betonschicht und sind in einer Tiefe von 5,25 m fundiert, wobei die innere Ringmauer das Hochreservoir, die äußere aber die eiserne Dachkonstruktion nebst Aufgangsrampe und beide zusammen die eisernen Plateaus samt Nebenreservoir zu tragen haben. Die innere Ringmauer ist in ihrem weiteren Aufbau bis zum Reservoir-Auflager durch drei eiserne Plateaus unterteilt. Der Aufstieg zwischen den beiden Ringmauern im Inneren des Wasserturmes führt entlang der Mauer über eine 203 Meter lange spiralförmig angelegte Rampe. Die Höhe des Turmes beträgt 67 m (inklusive Wetterstange).

Das Dach des Wasserturmes besteht aus einer Eisenkonstruktion, die von der k. k. Hof-, Kunst- und Bauschlosserei, Eisenkonstruktions-Werkstätte und Brückenbau-Anstalt Albert Milde & Co. in Wien 3. geschaffen worden war.

Die Aufgabe als Pumpwerk übernahm wenige Jahre später die II. Wiener Hochquellenwasserleitung, die 1910 in Betrieb genommen wurde. Ab dieser Zeit war der Turm nur fallweise in Betrieb, etwa wenn die II. Hochquellenwasserleitung für Instandhaltungsarbeiten trockengelegt werden musste. In den Jahren 1988 bis 1990 wurde der Wasserturm von den Wiener Wasserwerken generalsaniert. Besonders aufwändig gestaltete sich die Rekonstruktion der Dachornamente. Sie wurden aus glasierten Ziegeln in fünf verschiedenen Farben wieder hergestellt. Das äußere Aussehen des Wasserturmes entspricht immer noch den romantisierenden Architekturvorstellungen, nach denen die meisten Nutzbauten des 19. Jahrhunderts errichte wurden. Heute bietet der Wasserturm einen würdigen Rahmen für Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen. (2)