Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Silberne Vereinsmedaille
vom Niederösterreichische Gewerbeverein, 1873

k. k. Albert Milde

Archivbild: Neue Freie Presse vom 31.5.1873, Seite 7

Archivbild: Neue Freie Presse vom 31.5.1873, Seite 7 (1)

 

Vereins-Nachrichten des Niederösterreichische Gewerbeverein

Der Niederösterreichische Gewerbeverein hielt heute unter dem Vorsitze des Präsidenten v. Wertheim seine Jahres-General-Versammlung ab. Zu Beginn der Sitzung wurde vom Mitgliede Herrn Fogl ein Dringlichkeitsantrag eingebracht, dahingehend, es sei dem Ministerium des Äußern der Dank dafür auszusprechen, dass es fremde Konsulate hierher berufen, um aus Anlass der Weltausstellung mit den österreichischen Industriellen in Berührung zu treten, und es seien durch den Verwaltungsrat die Vertreter dieser Konsulate einzuladen, seinerzeit im Gewerbeverein ihre Beobachtungen mitzuteilen. Vize-Präsident Dr. Arenstein erstattet hierauf den Jahresbericht des Vereins. Er gedenkt der Eröffnung des neuen Vereinsgebäudes, weist darauf hin, welchen Anteil die nimmermüden Bestrebungen des Vereins an der Herbeiführung der Weltausstellung gehabt, und teilt mit, dass alle Vorbereitungen getroffen, um den Kongress deutscher Volkswirte in Wien in diesem Jahre würdig zu empfangen. Der Berichterstatter beantragt, dem Herrn Handelsminister den Dank für dessen Förderung der Vereinszwecke auszusprechen, wirft eine Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins und spricht die Hoffnung aus, der Verein werde durch die möglichste Konzentrierung auf die ihn unmittelbar berührenden Angelegenheiten, durch die Verzichtleistung, sei es auch mit Selbstverleugnung, auf alles, was von diesem Felde ablenken kann – auch ferner in seiner Entwicklung vorwärtsschreiten und eine segensreiche Wirksamkeit entfalten. (Bravo! Bravo!) Während der Rede des Vize-Präsidenten, kurz nachdem derselbe den Dank dem Ministerium ausgesprochen, trat der Handelsminister in den Saal. Der Vortrag wurde bei dem Erscheinen des Ministers unterbrochen; die Versammlung erhob sich und begrüßte den Eintretenden mit Akklamation. Herr Matscheko erstattet namens der Weltausstellungs-Kommission den Vereinsbericht. Er hofft, dass die Agitation des Vereins in Sachen der Jury von Erfolg sein werde und dass die Kollektiv-Ausstellung des Vereins betreffs der Verwertung von Abfällen, welche in nächster Zeit eröffnet wird, eine Idee des Mitgliedes Julius Hirsch, in würdiger Weise ausgeführt sein wird. Nachdem noch Herr Fischl über die Jahresabrechnungen, Herr Friedrich Muck namens des Hausbau-Komites, mehrere andere Mitglieder namens der verschiedenen Abteilungenreferiert haben, ersucht der Präsident den Handelsminister, die Verteilung der von den Fachabteilungen zuerkannten Medaillen vorzunehmen, welche durch diese Überreichung gewiss noch einen großen Wert erlangen würden. Dr. Banhans betritt die Tribüne und richtet eine Ansprache an die Versammlung. Als er, Redner, vor einem Jahr zum ersten Male im Gewerbeverein erschienen, habe er zwei Wünsche ausgedrückt: den, dass es ihm gelingen möge, zur Hebung des Gewerbes und insbesondere des Kleingewerbes beizutragen, und denjenigen, dass der Gewerbeverein auch in dem neuen Hause seinem bisherigen Geiste treu bleiben möge. Beide diese Wünsche haben Erfüllung erhalten. Der erste dadurch, dass in der Monarchie gewerbliche Fachschulen in solcher Menge ins Leben gerufen wurden, wie es nie geahnt worden, und das Ausland müsse gestehen, dass auf diesem Felde viel in Österreich geschehen. Aber auch der Gewerbeverein sei seinem Geiste treu geblieben, und wenn es eine Zeit gibt, in der wir mit vollem Stolze sagen können: „Das Gewerbe hat einen goldenen Boden“, so sei es die jetzige. Er wolle nicht auf ein Bild hinüberblicken, welches einen etwas düsteren Anblick gewährt, sondern nur die Blicke auf den großartigen Sammelpunkt der Intelligenz und Arbeit lenken, in welchem Österreich gezeigt hat, welch außerordentliche Fortschritte es seit der Pariser Ausstellung gemacht hat. Möge zu der Arbeit und Intelligenz auch die Sparsamkeit sich gesellen, dann seine Losung bilden soll. (Stürmischer Beifall) Nachdem vom Präsidenten dem Minister nochmals der Dank ausgesprochen worden, überreicht Dr. Wichner die zuerkannten Medaillen. Es sind dies der Preis von 500 fl. [ca. 5.650 Euro, März 2011] und die kleine goldene Medaille an Herrn Moriz Leinkauf für eine Produkten-Statistik von Österreich-Ungarn, die silberne Vereinsmedaille an die Herren Anton Biro, Johann Gschmeidler und Albert Milde für die Leistungen der Kunstschlosserei, die kleine goldene Medaille an die Firma Bolzani und Füßl für Verdienste um die Wiener Goldketten-Fabrikation und den Exportbetrieb dieses Industriezweiges, endlich die silberne Vereinsmedaille an Herr C. Haas für bahnbrechende Leistungen in der hydroplastischen Reproduktion älterer Kunstwerke, sowie für besondere Verdienste um die heimische Goldschmiedekunst. Die Firma Bolzani und Füßl spendet bei diesem Anlasse 500 fl. [ca. 5.650 Euro, März 2011] für Medaillen an Gewerkeführer. Hierauf wir die Versammlung geschlossen. (1)