Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Bau Friedrich Göbel am Maximilianplatz
1090 Wien, Rooseveltplatz / Ferstelgasse

Schlosser- und Eisenzierarbeit, 1881

k. k. Albert Milde

Archivbild: Häusergruppe am Maximilianplatz

Archivbild 1: Häusergruppe am Maximilianplatz (1)
1090 Wien, Rooseveltplatz
nach den Architekten: Anton Klauser, Freiherr Heinrich von Ferstel und k. k. Professor Julius Koch

 

Archivbild: Ansicht, Bau Goebel, Maximilianplatz

Archivbild 2: Ansicht, Bau Friedrich Göbel, Maximilianplatz (2)
1090 Wien, Rooseveltplatz / Ferstelgasse
nach dem Architekt Julius Koch, k. k. Professor

 

Archivbild: Grundrisse, Bau Goebel, Maximilianplatz

Archivbild 3: Grundrisse, Bau Friedrich Göbel, Maximilianplatz (3)
1090 Wien, Rooseveltplatz / Ferstelgasse
nach dem Architekt Julius Koch, k. k. Professor

 

Archivbild: Bau Goebel, Maximilianplatz / Ferstelgasse; 13.11.2011

Bild 4: Bau Friedrich Göbel, Maximilianplatz / Ferstelgasse (4)

Mit der Veröffentlichung der Pläne zu diesem eben in der Vollendung befindlichen Neubaus bin ich nicht im Begriffe ein Werk, dessen Ausführung besondere Schwierigkeiten begegnete, oder welches durch Großartigkeit der Dimensionen, oder durch Entfaltung besonderer Pracht hervorragt, meinen Fachgenossen vorzuführen; es soll im Gegenteile die Gestaltung eines bescheidenen Wiener Wohnhauses besserer Gattung hier in Wort und Zeichnung erörtert werden, welches in bürgerlicher Solidität ausgeführt, bürgerlichen wohnlichen Bedürfnissen entsprechen entspreche mag und in den Rahmen seiner illustren Umgebung (Votivkirche, Universität etc.) so eingefügt werden musste, dass es die allgemeine Harmonie derselben nicht etwa durch eine Dissonanz störe.

Die Entwicklung des Grundrisses war von den Konturen beeinflusst, welche seitens Stadterweiterungs-Kommission für die Anlage des Hofes vorgeschrieben waren, und von dem zu berücksichtigenden Wunsche derselben, den an das benachbarte Pfarrhaus angrenzenden Lichthof, (in welchen das Aussichtsrecht gewährleistet war), durch einen angeführten Lichtraum zu vergrößern. Die übrig bleibende Fläche ergab Dimensionen, welche die Anlage eines dreitraktigen Gebäudes wünschenswert erscheinen ließen, und dem entsprechend ging bei der Einteilung vor.

Die Küchen waren gegen den Hof am besten zu platzieren, da derselbe ein gemeinschaftlicher Lichtraum für die ganze Baugruppe ist, und lichte Küchen doch zu den hervorragenden Annehmlichkeiten einer Wohnung zu zählen sind.

Die möglichst freie Zugänglichkeit der einzelnen Wohnungsbestandteile war ein zweiter leitender Gesichtspunkt in der Einteilung und nicht minder war die Rücksicht auf die Dimensionen der Räume unter Bedachtnahme ihrer wahrscheinlichen Verwendung dabei maßgebend. Die Badezimmer von den Schlafzimmern aus zugänglich zu machen, halte ich für deren beste Situierung und legte sie demnach auch an jene Stellen, wo dies zu erzielen war.

Die Stiege erhielt in den oberen Geschossen geringere Stufenlängen, um dem Oberlichte erhöhte Wirksamkeit zu verschaffen. Als Deckenkonstruktion wendete ich über den zwei unteren Etagen Transverses mit eigeschobenen Trämen [leicht gedrehte Schlussfassade] an Konstruktionshöhe zu sparen. Über den oberen Stockwerken sind Tramböden gewöhnlicher Art. Die Küchen, Gänge, Aborte und Badezimmer sind allerorts überwölbt. Die meisten Wohn- und Nutzungsräume erhielten Ventilationsschläuche.

Die Gestaltung der Fassade war ebenfalls durch Vorschriften, welche sich auf die Stockwerkszahl, die Geschosshöhe, und die Risalitdimensionen bezogen, beeinflusst. Gegen den Maximilanplatz [Rooseveltplatz] sollte nach den graphischen Angaben der Stadterweiterungs-Kommission der Risalit bloß in den oberen Stockwerken markiert erscheinen, welcher Bestimmung zu entsprechen ich mich nicht sehr freudig entschloss. Die Außenarchitektur des Gebäudes musste, dem Platze und der Vorschrift entsprechend, in deutscher Renaissance sich entwickeln. Ich gab dieser Stilrichtung nur entschiedener Gestalt am Portal, an den Risalit-Giebeln und an aller Eisenzierarbeit. Im Übrigen begnügte ich mich gegen diese spezielle Renaissancen Richtung nicht zu verstoßen, ohne aber ihren, neuesten etwas verbrauchten, Eigentümlichkeiten besonderen Kultus zu widmen.

Der Bau befindet sich auf der Stadterweiterungsgruppe BB‘, Parzelle 1, neben dem Pfarrhaus der Votivkirche. Die verbaute Fläche beträgt 511 m², die Bausumme (ohne Platzkosten) wird nicht 80.000 Gulden [ca. 880.000 Euro; März 2011] erreichen.

Die Baumeisterarbeit wurde von A. Luckeneder, Das Zimmerwerk von A. Samek, die Schlosser- und Eisenzierarbeit von k. k. Hof- und Kunst-Schlosser Albert Milde und die Bildhauerarbeit von R. Völkl in trefflicher Weise hergestellt.

Architekt Julius Koch, k. k. Professor (5)