Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Dehm & Olbricht, Wohnhaus, 1090 Wien, Kolingasse 5

Schlosserarbeiten, Gitter und Eisenkonstruktionen; 1886

k. k. Albert Milde

Archivbild: Ansicht des Wohnhauses (1)
1090 Wien, Kolingasse 5

Architekten: Ferdinand Dehm und Franz Olbrich.

Als nach Demolierung des alten Abgeordnetenhauses in der Währingerstraße der Verkauf der durch die Parzellierung dieser Area entstandenen Baustellen vom Stadterweiterungsfond ausgeschrieben wurde, waren wir unter den Ersten, welche ein Offert auf zwei Plätze einreichten und dieselben zugeschlagen erhielten.

Um die sehr teuren Baugründe ausnützen zu können, haben wir absichtlich die gegen die Wasagasse zu tiefer gelegenen zwei Baustellen 1 und 2 der Gruppe X gewählt, weil hier, durch die gegebenen Hauptgesimshöhen und die ziemlich bedeutende Niveaudifferenz bedingt, ein vollkommen fünf Stock hohes Haus zur Ausführung kommen konnte. Die Lage dieser Baustelle, auf der einen Seite an der breiten Kolingasse, auf der anderen Seite an der Hörlgasse gelegen, welche an dieser Stelle durch die Zurücktretung des Gebäudes des chemischen Laboratorium ebenfalls eine Fülle von Licht und Luft empfängt, in unmittelbarer Nähe eines der schönsten Punkte in Wien, des Maximilianplatzes bedingt einen Bau, ausgestattet mit allem Komfort und Luxus, die man heute bei einem solchen Neubau zu erwarten gewohnt ist.

Wie vorerwähnt, musste aber trotzdem auf eine größtmögliche Ausnützung gesehen werden, umso mehr als unser Zweck der war, mittelgroße Wohnung zu schaffen, die aber auch jene Vorzüge besitzen sollten, welche man jetzt nur von sehr großen Wohnungen verlangt, und die Preise hierfür auch so zu stellen, dass dieselben Mieter finden.

Die Lösung dieser Aufgabe kann als gelungen bezeichnet werden, umso mehr als auch die Dimensionen der gemeinschaftlichen Höfe, sowie die Höhenmasse genau den vorgeschriebenen Normalien des Stadterweiterungsfonds entsprechend eingehalten wurden und alle Lokalitäten in ausgiebigster Weise mit Licht und Luft versehen sind.

Außerdem befinden sich im Tiefparterre vom Tore in der Kolingasse nach links zwei Geschäftslokale und die Wohnung des Portiers.

Im Souterrain befindet sich außer den Parteien-Holzlagen und Waschküche noch ein großes Magazinlokal, welches eine eigene Treppe, in die Wasagasse führend, besitzt und auch von da zugänglich ist.

Die Lichthöfe sind bis zur Souterrainsohle ausgegraben und gepflastert, damit dieselben zum Ausklopfen der Teppiche etc. verwendet werden können.

In jedem Stockwerke befinden sich je drei Gassenwohnungen und eine kleinere Wohnung im Hoftrakte; zwei Wohnungen davon haben je ein vollkommen eingebettetes Badezimmer.

Neben der praktischen Seite wurde bei den Innenräumen auch die ästhetische Rücksicht nicht außer Acht gelassen und die sämtlichen Gassenzimmer mit plastischen, teilweise reich verzierten Plafonds, die sämtlichen Korridore mit plastischen Plafonds und Seitenwänden versehen.

Die Hauptstiege aus Karst-Marmor ist mit einem reichverzierten Gitter aus Schmiedeeisen mit Anhaltstangen aus Messing hergestellt.

Die Gangfenster sind, um das Licht in die dahinterliegenden Räume voll eindringenden zu lassen, aus Façoneisen hergestellt und diese sowohl, als sämtliche Stiegenfenster mit reich geätzten Gläsern versehen. Die sämtlichen Gang- und Stiegenfenster-Parapete [-Brüstung] sind mit geschliffenem und poliertem Rouge-Royal-Marmor belegt.

Was die Fassade betrifft, deren Anordnung bei sechs Stockwerken bedeutend erschwert wurde, waren wie hier von besonderen Rücksichten geleitet, welche die in dem Grundkaufe bedungenen Vorschriften auferlegten.

Der Bau des ersten Hauses, in der Kolingasse, wurde im Spätherbste 1885 begonnen und im November 1886 vollendet; das zweite Haus in der Hörlgasse, wurde im Sommer 1886 begonnen und wird im Mai 1887 fertiggestellt.

Die Professionistenarbeiten wurden nur von allerersten Firmen hergestellt, wovon besonders die Schlosserarbeiten, Gitter und Eisenkonstruktionen von Hof-Schlosser Albert Milde, die Pflasterungen von der Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft, die geätzten Tafeln von C. Geyling’s Erben, die übrigen Glaserarbeiten von J. Wallisch lobend zu erwähnen sind. (2)