Briefkopf - ALBERT MILDE k. k. Hof-Kunst-Bauschlosser und Eisenkonstrukteur zu Wien; von 7.2.1839 bis 8.11.1904

Beilage zur: "Österreichischen Gartenlaube" 1878

Pariser Weltausstellungs-Briefe

k. k. Albert Milde

Archivbild 1: Beilage zur: "Österreichischen Gartenlaube" vom 19.9.1878

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Pariser Weltausstellungs-Briefe

Von Dr. A. Berghaus – Österreich.
Die Bronze-, Eisen- und Waffen-Industrie
(1)

Die heutige Geologie bezeichnet mit ihren Perioden bekanntlich kein Zeitmaß, sondern nur ein gewisses Leistungsmaß der Naturkräfte. In ähnlicher Weise spricht auch die urgeschichtliche Anthropologie von Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Man bezeichnet damit die Leistungsart einer Kulturstufe, welche nach den Zeugnissen der archäologischen Funde, während einer gewissen Periode einen engeren oder weiteren territorialen Bezirk beherrschte. Die Frage des Wenn und Wielang kann nur versuchs- und vergleichsweise gestellt werden. Wenn wir also von einer urgeschichtlichen Bronze- oder Eisenkultur sprechen, so kann damit auch immer nur ein Lebensabschnitt eines oro- und hydrographisch, sonach geologisch in weiterem Sinne zusammengehörigen Gebietes gemeint sein; denn über die Wechselbeziehungen der Völker solcher Epochen wissen wir ja so gut wie nichts. Doch dämmert es, wenn auch nur langsam, als Wahrscheinlichkeit herauf, dass damals schon der geschäftliche Völkerverkehr lebhafter und weiter umfassend gewesen ist, als man sich ihn gewöhnlich denkt. Wie schwer aber das Einleben in diese Auffassung ist, beweist die Tatsache, dass noch heute manche Forscher mit Tätigkeit daran festhalten, die sogenannte germanische Bronzekultur bezeichne eine nahezu gleichzeitige Bildungsstufe der Völkerstämme auf dem ungeheuren Gebiete zwischen den nördlichen Voralpen, dem Rhein, der Nordsee, dem bosnischen Busen und sarmatischen Sumpfbreiten – auf welcher Bildungsstufe diese Stämme jene stilvollen und stilvollen und seinen Erzarbeiten, deren Reste wir bewundern, nach eigener Erfindung kunstfertig herstellen, nachdem sie gleichsam mit einem plötzlichen Sprunge aus der Steinzeit heraustreten. Um aber diesem Kultursprunge das gar zu Wunderbare abzustreifen, sollten die germanischen Steinvölker von einen irgendwoher heranziehenden Bronzevolk unterjoch worden sein, welches sein Bronzematerial von außen bezog und die Besiegten zu dessen Bearbeitung nach seinem Muster zwang. Die Künstlichkeit solcher Kulturgeschichts-Baumeisterei bedarf in der Tat keiner weiteren Erörterung.

Warum soll denn nun durchaus in Mittel- und Nordeuropa die Bronzekultur der Eisenkultur vorangegangen sein? Man sagt einfach, dieser Gang sei „in der Natur der Dinge“ begründet. Ein Dogma bedarf allerdings keines Beweises: die Wissenschaft kann just darum kein Dogma brauchen. Sie müsste jedoch geradezu an Wunder glauben lerne, wenn sie es für möglich annehmen wollte, ein Volk könne Jahrhunderte lang mit den Bronzeerzen metallurgisch vertraut und in ihrer künstlerischen Behandlung geübt sein, ohne auf den Gedanken zu kommen, auch das Eisenerz zu bearbeiten. Dabei kommt noch nicht einmal in Frage, womit denn etwa die Verzierungen solcher Bronzen ein- und ausgearbeitet wurden, die selbst unsere heutige Technik nur mit Hilfe des gehärteten Eisens, mit Stahl nachmachen könnte? Doch wohl nicht mit den aus der Steinkultur ererbten Werkzeugen? Oder etwa mit Bronzewerkzeugen? Die dafür notwendige Härtung derselben ist schon nach den physikalischen Eigenschaften des Zinns wie des Kupfers eine Unmöglichkeit. Es hat somit etwa sehr Überzeugendes, wenn der praktische und vielerfahrene Engländer Thomas Wright bemerkt: „Bronze ist ein Mischerz und es ist widersinnig anzunehmen, dass sie dem Eisen in solchen Ländern voraufgegangen sei, wo dieses in Überfluss vorhanden war.“ Dies ist nun im Allgemeinen in Mitteleuropa diesseits der Alpen der Fall. Dennoch behielt das Bronzedogma seinen Platz im anthropologischen Katechismus, es war ein Mal von wissenschaftlichen Autoritäten aufgestellt worden, von der gedankenlosen Menge nachgeplappert worden. Ist es doch so bequem, sich auf solche Autoritäten zu berufen, um sich der Arbeit des eigenen Denkens zu entschlagen!

Doch genug über dieses Thema, so interessant es auch ist! Wir sind der Ansicht, dass man sich erst des Eisend bedient hat und dann der Bronze. Es lässt sich kein durchschlagender Grund denken, warum ein Volk, wenn es ein Mal den Fortschritt zur Metallerzeugung macht, falls ihm das als Metall erkennbare Eisen nicht fehlt, diesem das Kupfer und vollends dessen Verschmelzung mit Zinn zu Bronzeerz vorziehen sollte. Das Kupfer ist von vornherein, von ganz lokalen Ausnahmen abgesehen, seltener als das Eisen. Noch seltener wächst es dem Menschen auf der Erdoberfläche gediegen in die Hand. Wir wiederholen: auf der Erdoberfläche, denn dass gerade gediegenes Kupfer häufiger als andere Metalle und in größeren Massen bergmännisch gefördert wird, ist ebenso bekannt, wie dass irdisches Eisen sehr wahrscheinlich nirgends gediegen vorkommt. Aber die Menschen der Steinkultur begannen doch ihre Metallurgie sicherlich nicht mit bergmännischem Abbau. Sie suchten eben auf dem Erdboden umher nach geeigneten Steinen und Erdarten für ihre Bedürfnisse. Nun ist zwar das gediegene Meteoreisen gegen die sonstige Menge des Eisenerzes der Erde verschwindend selten, doch aber immerhin in kleineren Stücken und felsengroßen Massen häufiger als alle anderen Nutzmetalle auf der Erdoberfläche verstreut. Nicht sprich auch dagegen, dass die Meteoreisenstücke früher noch viel häufiger und massenhafter als heute gefunden wurden. Man braucht nur an die sogenannten Goldseifen in jedem oberflächlichen Schwemmlande zertrümmerter Gebirge zu denken, woraus man in Gallien, am Rhein, an der Donau etc., historisch beglaubigt, so kolossale Massen gediegenen Goldes ausgewaschen hat. Sie sind in den kultivierten Ländern längst abgelesen, im ungarisch-siebenbürgischen Grenzgebirge und in den sibirischen Wäldern nördlich vom Altai erschöpfen sie sich. Kalifornien und Australien verfallen dem gleichen Schicksal. Warum soll es bei Meteoreisen anders sein? Und wenn nun Völker auf dem Standpunkte der Steinkultur, noch ehe sie recht wussten, was mit dem metallglänzend angeschlagenen Meteoreisen anzufangen, an ihren Feuerherden ein zufälliges Stück Rot- oder Braunsteineisen glühen, dann aber dem Meteoreisen sehr ähnlich werden sahen, sollten sie nicht auf den Gedanken gekommen sein, dieses Eisen absichtlich zu glühen und daran herumzuhämmern? Hierbei überraschte sie aber eine Eigenschaft, die sie bei ihrem sonstigen Steinmaterial schmerzlich vermissten. Dieses primitiv entstandene Stabeisen erstarrte nämlich den Hammerschlägen in allen wünschenswerten Formen. Der Anfang einer Eisenzeit war da!

Um Bronze zu machen, muss man Kupfer und Zinn ausbringen können, die härtende Eigenschaft des letzteren kennen, beide zusammenzuschmelzen, Formen für die Schmelzmasse bereit zu halten und auch zu gießen verstehen. Damit ist zugleich auch ein Hauptargument für die Priorität der Bronzekultur entkräftigt, welches sich entkräftigt, welches sich auf die im Vergleich mit Eisen leichtere Schmelzbarkeit des Kupfers stützt. Man darf tun, als bemerkte man es gar nicht, dass uns plötzlich Kupfer allein, anstatt der Bronze, untergeschoben wird, deren Herstellung eine zweite Schmelzung des ausgeschmolzenen Kupfers und Zinnes nicht umgehen kann. Man braucht auch nicht einmal entgegenzuhalten, dass dort, wo gediegenes Kupfer massenhaft vorhanden ist, wie beispielsweise am Kupferminenflusse, alle originalen Gegenstände lediglich durch Schmieden des Metalls in kaltem Zustande hergestellt sind. Denn wir bedürfen für den Anfang der Eisenkultur, wie wir soeben darlegten, bloß glühendes Eisen, kein Schmelzeisen. Wir bedürfen dessen sogar noch nicht bei einer relativ vorgeschrittenen Eisenkultur. Denn die sogenannte „Luppe“, jene teigige Masse, welche entsteht, wenn das Eisen selbst bei freiem Holzfeuer in heller Rotglut „schweißt“ – wie es die Metallurgie nennt – diese „Luppe“, welche sich dem Herde in einem zusammenhängenden Stücke entheben und sogar auf einem steinernen Amboss dünn ausschmieden lässt, diese Luppe wird selbst von der heutigen Eisentechnik absichtlich produziert, weil sie für allerlei Gebrauchsgegenstände vorzüglich ist, als durchgeschmolzenes Eisen. Wohl aber kann beinahe sagen, dass die Verarbeitbarkeit des gediegenen Kupfers in kaltem Zustande eine metallurgische Kultur roher Völker nicht erzeugt, während das Eisen sie nach seiner Natur dazu hin nötigt.

Und wird endlich ein Steinvolk, welches nach Verlauf von und so vielen Jahren oder Jahrhunderten zur Metallkenntnis gelangt ist, zuerst an deren Verwendung für Schmuck, Zier und Tand denken, oder an die Befriedigung seiner materiellen Lebensbedürfnisse? Die Antwort gibt sich von selbst. Gewiss blieb aber den Völkern solcher anfänglichen Kulturstufen das neuentdeckte Erz, man nenne es nun Bronze oder Eisen, noch lange Menschenalter hindurch ein kostbares Gut, als vergleichsweise heute uns Gold und Silber. Welchen Gegenständen begegnen wir dagegen in Deutschland wie im Norden als Überresten des sogenannten Bronze-Zeitalter? Fast ausschließlich lauter Gegenständen des Luxus, der Toilette, vielleicht des Kultus.

Zur Herstellung dieser Sachen wurde auch bei anderen alten Völkern die Bronze vornehmlich gebraucht, und so geschieht es auch jetzt noch, wenn auch früher, wie heutigen Tages noch, Waffen von Bronze nicht selten waren, resp. sind. Besonders eigenen sich diese Luxus-Sachen aus Bronze zur Vergoldung, und man findet solche alte vergoldete Sachen in jedem Museum, z. B. hier im Louvre, welche im letzteren Falle eine noch speziellere Bedeutung gewinnen, weil sie auf französischem Boden, namentlich in der Seine und bei den Umgrabungen in Paris aufgefunden worden sind. Die ältesten und ursprünglichen Bronze-Waffen aber bestanden meist nur aus Beilen und Pfeilspitzen, denn Dolche, Messerklingen, Schwerter und Keulen stammen nicht aus dem eigentlichen Bronze-Zeitalter, sie rühren aus einer späteren Epoche her, welchen alsdann der Gebrauch von Panzern, Helmen und anderen Kampfes- und Zierwaffen folgte, deren geschmackvollere Ausführung schon einer späterem Zeit, d. h. jener, in welcher griechische und römische Kultur blühte, angehört. So z. B. der prachtvolle griechische Reiterhelm in dem Musée d’Artillerie von Paris und das Signum (Feldzeichen oder Art Standarte der römischen Kohorten) ebenfalls daselbst, welches, in Asien aufgefunden, vielleicht in seiner Art ein Unikum ist, am oberen Teile zwei Bronzereifen darstellt, in deren Mitte die Büsten der damals regierenden Kaiser angebracht sind. Der Reiterhelm, dessen Visier ein glattes Netz in getriebener, besonders vollkommener Arbeit ist und in dessen Mitte sich ein in Erz getriebenes Medusenhaupt von außerordentlich seiner Gravierung und Ziselierung erhebt, wurde in einem griechischen Grabe bei Capodignano, einem Flecken, etliche Meilen von Palermo, zur Linken auf der Route nach Paestum, aufgefunden.

Höchst merkwürdig ist es, dass die Bronzewaren-Industrie Österreichs neu, modern, wie kein anderes Gewerbe ist, und erst in diesem Jahrhundert ihren gegenwärtigen Rang einnimmt, und in der Neuzeit zwar vornehmlich in Folge des Einflusses der von der Regierung gegründeten Fachschulen und des Museums für Kunst und Industrie. Der Hauptsitz dieser Industrie ist zurzeit in Wien und Umgebung, wo dieselbe eben in den genannten Staatsanstalten gebotenen Anregungen in der Geschmacksrichtung und dem Kunstsinne der Bewohner Förderung erfährt. Die von der Wiener Bronze-Industrie gelieferten Objekte, von denen besonders Beleuchtungs-Gegenstände, dann die Uhren- und Kamin-Garnituren hervorgehoben zu werden verdienen, zeichnen sich durch zierliche Ausführung, durch das vielfach angewendete Mattgold und durch die verschiedenartigen Färbungen des Materials aus. Erwähnenswert ist, dass die Bronze-Industrie jetzt meist fabrikmäßig betrieben wird. Im Jahre 1876 zählt die Genossenschaft der Gürtler und Bronze-Arbeiter in Wien und Umgebung 200 Gewerbetreibende mit 681 Arbeitern. Seit mehreren Jahren besteht in Wien auch eine Bronze-Industrie-Gesellschaft, welche aus der Vereinigung von Bronze-Fabrikanten und sonstige mit der Bronze-Industrie näher in Verbindung stehenden Männern hervorgegangenen ist und zum Hauptzweck die Hebung der Bronze-Industrien hat. Eine spezielle Aufgabe dieser Gesellschaft besteht darin, jährlich für Modellier-, Treib-, Eisen-, Ziselier- und Graveur-Arbeiten, sowie für Entwürfe von Zeichnungen auszuschreiben.

...

Wie schon erwähnt, hat man in der Klasse, welche „Kunstbronzen, verschiedene Kunstgüsse und getriebene Metallarbeiten“ umfasst, dem Kataloge nach Firmen, welche Kunst- oder Bauschlosser- oder Eisenkonstruktions-Werkstätten besitzen, ausgeführt, auch hat man deren ausgestellte Objekte zum Teil dem „Bronzehof“ respektive „Ledergalanteriewaren-Hof“ angefügt. Wir wollen nicht darüber rechten, ob diese Sachen nicht in dem Raume, der den Ausstellungsgenständen der Klasse 66, den „Gerätschaften, Materialien und den Arbeiten des Ingenieurwesens im Allgemeinen, den öffentlichen Arbeiten und der Architektur" überwiesen ist, hätten aufgestellt werden müssen, doch das wollen wir hervorheben, dass sie dort besser zur Anschauung gekommen wären, meistens was die der beiden Firmen, Albert Milde und Ludwig Wilhelm anbetreffen. Es könnte uns freilich ein geworfen werden: „Nun, dann lass doch die Besprechung dieser Artikel bis zu der in der Klasse 66 ausgestellten", darauf erwidern wir, dass wir einmal den Katalog mehr oder weniger zur Richtschnur nehmen, ein anderes Mal wir diese Beschreibung jetzt vornehmen, weil wir von der Bronze über eine Art von Eisenindustrie auf eine andere Art derselben übergehen wollen, um sie sogleich zu absolvieren und damit diesen Brief zu schließen. Die beiden genannten Firmen, Albert Milde und Wilhelm Ludwig, sowie R. Ph. Waagner und Anton Biro, haben schmiedeeiserne Gitter ausgestellt. Wir wollen zuerst erwähnen, dass die älteste Methode der Schmiedeeisen-Bereitung das direkte Ausbringen aus den Erzen, die sogenannte Renn-Arbeit in Schacht-Öfen oder aus offenen Herden ist. Beide Verfahrungsweisen erfordern unbedingt reiche leichtflüssige Erze und einen großen Auswand von Brennstoff, die Erzeugung ist eine geringe, die Qualität des Produktes von mancherlei Zufällen abhängig. Man findet diese primitiven Prozeduren nur noch vereinzelt in Ungarn, Siebenbürgen und Dalmatien; an den anderen Produktionsstätten wurden sie im Laufe der letzten 200 Jahre durch die verschiedenen Frisch-Methoden, welche das Schmiedeeisen durch Entkohlung des Roheisens darstellen, völlig verdrängt. Alle diese mehr oder minder voneinander abweichenden Herd-Frisch-Methoden, welche da und dort Aufnahme fanden und größtenteils noch in Übung sind, basieren auf der Verwendung der Holzkohle. Im Jahre 1787 gelang es den Engländern Parnell und Cort, das sogenannte Puddeln oder Flammofen-Frischen praktisch durchzuführen. Das zu verfrischende Roheisen kommt dabei nicht mit dem Brennmateriale selbst, sondern nur mit der Flamme in Berührung; oder auch, man lässt sogenannte Generator-Gase, die Produkte einer unvollständigen Verbrennung von Holz, Braunkohle, Torf oder Steinkohle mit atmosphärischer Luft gemischt, im Puddelofen verbrennen. Im Jahre 1830 wurde in dem unter der Rettung des Bergrates Franz Kleinpeter gestandenen Eisenwerke zu Wittkowitz in Mähren das Puddeln unter Anleitung des Professor Franz Riegel zuerst eingeführt, und gebührt demselben somit das große Verdienst, diesem Verfahren, welches als sie wichtigste Reform der Eisen-Raffinerie bezeichnet werden muss, weil es die Anwendung mineralischer Brennstoffe und die jetzige Massen-Erzeugung möglich macht, in Österreich Bahn gebrochen zu haben. Das Gas-Puddeln wurde zuerst auf die Werke des Grafen Egger zu Lippitzbach in Kärnten im Jahre 1846 mit Erfolg betrieben. Seit 1830 wurde der alte Frisch-Prozess durch das Puddlings-Verfahren immer mehr verdrängt, obwohl das Herd-Frisch-Eisen noch jetzt in ansehnlichen Mengen erzeugt wird, und unter günstigen Lokalverhältnissen, um dieser selbst willen, und wegen mancher Eigenschaften, welche es für gewisse Zwecke ganz besonders geeignet machte, auch fernerhin erzeugt dürfte. Als eine wesentliche Verbesserung der Herd-Frischerei verdient die im Jahre 1832 zuerst in Zöptau und Friedland in Mähren eingeführte sogenannte Klein-Frischerei mit Benutzung der Überhitze zum Vorwärmen des Rohmaterials und der Gebläseluft, erwähnt zu werden. 1840 erwarb Andreas Töpper ein Privilegium auf die Benutzung heißer Gebläseluft im geschlossenen Zerren-Feuer und auf die Beheizung aller Arten von Flammöfen, mit Hochofen-Gicht-Gasen, verzichtet aber schon im nächsten Jahre auf sein Vorrecht zum allgemeinen Besten. Zum Gas-Puddeln, wie auch zu Beheizung anderer Schweiß- und Schmelzöfen verwendet man seit Zeit die Siemens’sche sogenannte Regenerations-Feuerung und erzielt damit eine beträchtliche Ersparnis an Brennmaterial und sonst unerreichbaren Temperaturen.

Wie bereits erwähnt (Nr. – 1878), steht Albert Milde mit dem Museum für Kunst und Industrie insofern in Verbindung, dass dessen Kräfte, wie z. B. Regierungsrat Professor Josef Stork, ihm wiederholt Entwürfe und dazu beigetragen haben, dass er so Hervorrangendes in seinem Fache auszustellen im Stande ist. Aber auch andere bedeutende Künstler sind für ihn tätig, obwohl in seiner Fabrik Männer von künstlerischer Bedeutung unausgesetzt beschäftigt. In vorzüglich getriebenen Schmiedeeisen sind die für die Kreuzschiff-Kapellen der Votivkirche bestimmten Türen, Gitter und Kommunionsgitter nach Zeichnungen des Professor Riewel und nach Angaben des Oberbaurates Professor Heinrich v. Ferstel, dann drei Kandelaber und ein Treppengeländer nach Entwürfen des Oberbaurates Professor Theophil Ritter v. Hansen, ferner Verschiedene Gitter nach Zeichnungen des Oberbaurates Fr. Schmidt. Sehenswert sind eine Gruppe im Stil der deutschen Renaissance nach Entwürfen der Architekten König und Feldscharek, ein Gittertor, eine Glocke, eine Lampe mit Stütze, eine große Blume und ein reich mit Eisenzier geschmückter Marmorbrunne. Außerdem sind in der bedeutenden Kollektion Albert Mild’scher Kunstwerke noch ein Luster und zwei dreiarmige Leuchter nach Entwürfen des Architekten Bolle, ein Glockengestellt und Lampe nach Zeichnungen von Professor Riewell, drei blankgefeilten Kandelaber nach Zeichnungen vom Regierungsrat J. Storck, andere kleine Arbeiten und – das Hervorragendste zuletzt – ein vierarmiger Straßenkandelaber im deutschen Renaissancestil nach Zeichnungen aus dem technischen Bureau des Etablissements. Dieser Kandelaber wurde schon in Amsterdam prämiert, er ist eine stilvolle, reich ornamentierte und mit bewunderungswürdiger Schärfe und Reinheit ausgeführte Arbeit, welche wie die Kollektion Albert Milde’s und die ganze Vertretung, die dieser Zweig der Kunstindustrie hier auf der Ausstellung gefunden hat, die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Fast alle Sachen von Albert Milde sind bereits verkauft, und zwar an große Institute, die ihre Vertreter hierher geschickt, so an das Gewerbe-Museum in Berlin, an das Museum für Kunst und Wissenschaften in Dublin, an das Museum für Kunst und Industrie in Leipzig, an das Kessington-Museum in London, an das Museum in Budapest usw.

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siehe auch: Internationale Weltausstellung in Paris 1878;